
Geschichte von Mutschelbach
Geschichte von Mutschelbach
in der Übersicht

1200
Im Jahr 1278 wurde Mutschelbach zum ersten Mal in zwei Urkunden erwähnt. Damals noch unter dem Namen Muschelnbach.
1295 verkaufte Rudolf von Roßwag als Lehnsherr sein Eigentum an Mutschelbach an das Kloster Herrenalb.
1295 wird neben Mutschelbach ein Ort Vitzenloch erwähnt. Historiker vermuten heute, dass dieses Gebiet mit dem später entstandenen Mittelmutschelbach zusammenhängen könnte.
1300
1367 erscheinen in den Urkunden die beiden Ortsteile als Obern Muschelnbach und Untern Muschelnbach.
Ab 1397 gehörte das heutige Untermutschelbach zum Herzogtum Württemberg und das heutige Obermutschelbach zur Markgrafschaft Baden-Durlach.
…
1600
Im 16. Jahrhundert und während des 30jährigen Kriegs von 1618 bis 1648 ging die Bevölkerung auf Grund von Krieg und Krankheiten wie Pest so stark zurück, dass in Mutschelbach nur noch 9 Bürger lebten.
1700
1701 wurden auf Weisung des Herzogs Eberhard Ludwig von Württemberg 14 Familien in Untermutschelbach angesiedelt. Sie waren Waldenser, kamen aus den Cottischen Alpen in Frankreich und verließen aus Glaubensgründen ihre Heimat. Ihr Anführer war Pfarrer Henri Arnaud nach dem im heutigen Mutschelbach eine kleine Gasse benannt ist.
Familiennamen: Jourdan, Raviol, Konstandin, Piston, Gringas, Berger, Granget
1706 siedelte Markgraf Karl Wilhelm von Baden 11 Familien aus Dillweißenstein (heute ein Stadtteil von Pforzheim) in Obermutschelbach an, die sich zunächst bei der Linde niederließen.
Familiennamen: Fischer, Weiß, Kißling, Ruf, Schäfer, Schmidt, Wildenmann
1800
1806 Bis zu diesem Jahr verläuft die Grenze zwischen Baden und Württemberg mitten durch den heutigen Ort. In diesem Jahr kam auch Untermutschelbach zum Großherzogtum Baden.
Mittelmutschelbach entstand erst später entlang dieser Grenze. Es gab ursprünglich gar kein eigenständiges Dorf Mittelmutschelbach; es entwickelte sich erst im 18. Jahrhundert entlang der ehemaligen Landesgrenze.
1806 Bis zu dieser Zeit wurde in der Schule und Kirche in Untermutschelbach Französisch gesprochen.
1806 wurde das Rathaus in Obermutschelbach erbaut, das bis 1958 auch als Schulhaus genutzt wurde.
1843 zählt Mutschelbach 307 EinwohnerInnen.
1861 wurde das Gotteshaus in Untermutschelbach eingeweiht und 100 Jahre später noch eine Gemeindesaal hinzugefügt. Teile der Kirche stammen aus dem 13. und 15. Jahrhundert.
1871 zählt Mutschelbach 725 EinwohnerInnen.
1891 wurde das Schul- und Rathaus in Untermutschelbach erbaut. Bis 1958 war das heutige Rathaus auch Schulhaus für Untermutschelbach.
1900
1926 war die Grundsteinlegung für die Kirche in Obermutschelbach.
1936 Am 1. April 1936 wurden Ober- und Untermutschelbach zur Gemeinde Mutschelbach vereinigt und dem Landkreis Karlsruhe zugeteilt.
1938 wurde die Autobahn in Betrieb genommen, die mitten durch die gerade erst vereinigte Gemeinde gebaut wurde.
1956 wird die gemeinsame Grundschule Willi Konstandin Schule eingeweiht.
1971 Die Gemeinde Mutschelbach schließt sich mit Spielberg, Langensteinbach, Auerbach und Ittersbach zur Gemeinde Karlsbad zusammen.
1974 Erbauung des evangelischen Kindergartens.
1975-1977 Verdohlung des Bocksbachs im Bereich des Ortskerns.
2000
2003 Einweihung des Backhaus am Rathaus
2014 Ausbau der Autobahn A8 auf sechs Spuren
2025 Das evangelische Gemeindezentrum geht an die Gemeinde Karlsbad, die hierin die Schulkindbetreuung einrichtet.
2028 750-jähriges Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung von Mutschelbach
Urkundenerwähnung im Jahr 1295
Im Jahr 1295 wird Mutschelbach an das Kloster Herrenalb verkauft.

Hier wird ein vielschichtiges Grundstücks- und Lehensgeschäft aus dem Jahr 1295 beurkundet. Kurz gesagt: Es geht um den Verkauf zweier Dörfer an ein Kloster und die Klärung der adligen Rechte im Hintergrund.
Was in der Urkunde vereinbart wird
Das Kloster Herrenalb kauft die beiden Dörfer Mutschelbach und Wiesloch für die gewaltige Summe von 203 Pfund Heller.
Da man im Mittelalter ein Dorf aber nicht einfach wie ein Haus verkaufen konnte, wenn Verträge und Lehensrechte Dritter daran hingen, umfasst die Urkunde zwei wesentliche Schritte:
1. Die Entschädigung des Lehensherrn (Rudolf von Roßwag)
- Die beiden Dörfer gehörten ursprünglich Rudolf von Roßwag. Er hatte sie dem Ritter Sweneger von Remchingen als Lehen überlassen.
- Sweneger nutzte die Dörfer als Ausstattung (Mitgift) für seine Tochter bei deren Heiratsvertrag mit Heinrich von Lomersheim.
- Damit der Verkauf an das Kloster stattfinden konnte, benötigte man die ausdrückliche Zustimmung des Lehensherrn Rudolf.
- Der Deal: Um den Lehensherrn umzustimmen, gab ihm Konrad (der Enkel Swenegers bzw. Sohn Heinrichs) ein anderes Grundstück – nämlich den dritten Teil des Dorfes Kleinglattbach – als neues Lehen.
- Daraufhin verzichtet Rudolf von Roßwag offiziell auf seine Rechte an Mutschelbach und Wiesloch und stimmt dem Geschäft zu.
2. Der eigentliche Verkauf an das Kloster
- Nachdem die lehensrechtlichen Hürden genommen sind, verkaufen Sweneger von Remchingen, sein Sohn Konrad und sein Enkel Konrad von Lomersheim die beiden Dörfer endgültig an das Kloster Herrenalb.
- Alle Parteien verzichten auf jegliche zukünftige Ansprüche an den Dörfern.
Die wichtigsten Details auf einen Blick
- Datum: Februar 1295 (MCCXCV)
- Verkäufer: Sweneger von Remchingen, sein Sohn Konrad und sein Enkel Konrad von Lomersheim.
- Käufer: Kloster Herrenalb.
- Kaufpreis: 203 Pfund Heller (eine beträchtliche Summe Geldes im 13. Jahrhundert).
- Betroffene Orte: Mutschelbach (heute zu Karlsbad), Wiesloch (Altwiesloch), Kleinglattbach (heute zu Vaihingen an der Enz).
- Dokument: Auf Pergament und im Original in lateinischer Sprache. Insgesamt 9 Siegel.
Warum sind so viele Personen und Siegel beteiligt?
Da es damals kein Grundbuch gab, lebte die Gültigkeit von Verträgen von Öffentlichkeit und Zeugen. Um den Verkauf abzusichern, bürgten und siegelten zahlreiche hochrangige Persönlichkeiten der Region – darunter der Markgraf Friedrich von Baden, weitere Adlige aus der Umgebung (wie die Herren von Enzberg) und sogar die Stadt Pforzheim als angesehene Institution.
Die Hauptakteure
Kloster Herrenalb (Der Käufer)
- Rolle: Käufer der Dörfer Mutschelbach und Wiesloch.
- Hintergrund: Das Zisterzienserkloster im Nordschwarzwald war darauf bedacht, seinen Grundbesitz im Pfinztal und Kraichgau systematisch auszubauen, um sich Einnahmen aus der Landwirtschaft und Abgaben zu sichern.
Sweneger von Remchingen sowie sein Sohn Konrad (Die Verkäufer)
- Rolle: Verkäufer der beiden Dörfer.
- Hintergrund: Die Herren von Remchingen waren eine adlige Familie mit Stammsitz im Pfinztal. Sweneger hatte die Dörfer Mutschelbach und Wiesloch einst als Lehen erhalten. Dass auch sein Sohn Konrad im Vertrag mitwirkte, war Pflicht: So wurde verhindert, dass spätere Erben den Verkauf anfechten konnten.
Rudolf von Roßwag (Der Lehensherr)
- Rolle: Der übergeordnete Herr über das Land, der dem Verkauf erst zustimmen musste.
- Hintergrund: Rudolf von Roßwag (aus dem Raum Vaihingen an der Enz) war der eigentliche Lehensherr der beiden Dörfer. Sweneger hatte das Land von ihm nur „geliehen“. Da Rudolf durch den Verkauf seine Rechte an Mutschelbach und Wiesloch verlor, verlangte er Ersatz. Erst als er als Ausgleich das Dorf Kleinglattbach zum Lehen erhielt, gab er sein grünes Licht.
Heinrich von Lomersheim & sein Sohn Konrad (Die Schwiegerfamilie)
- Rolle: Mit-Verkäufer und Entschädigungsgeber.
- Hintergrund: Sweneger von Remchingen hatte die Dörfer Mutschelbach und Wiesloch einst seiner Tochter als Mitgift für die Hochzeit mit Heinrich von Lomersheim mitgegeben. Damit lag ein Teil der Rechte bei den Lomersheimern. Um den Deal zu ermöglichen, trat Schwiegersohn/Enkel Konrad von Lomersheim sogar einen Teil seines eigenen Besitzes in Kleinglattbach an den Lehensherrn Rudolf von Roßwag ab.
Die mächtigen Bürgen und Zeugen
Da es im 13. Jahrhundert noch kein Grundbuch gab, lebte die Gültigkeit von Verträgen von angesehenen Zeugen. Sie hängten ihre Wachssiegel an das Pergament, um den Kauf für die Ewigkeit abzusichern:
- Markgraf Friedrich von Baden: Der oberste Landesherr der Region. Sein Siegel verlieh dem Vertrag die höchste weltliche Rechtskraft.
- Die Brüder Heinrich und Gerhard von Enzberg: Vertreter eines einflussreichen Rittergeschlechts von der Enz (Sitz u. a. Burg Steinegg), die als hochrangige adlige Zeugen fungierten.
- Albert von Niefern: Ein Ritter aus der Nachbarschaft (Niefern an der Enz), der ebenfalls als Zeuge bürgte.
- Die Stadt Pforzheim: Das Siegel der Bürgergemeinde Pforzheim gab dem Kloster die zusätzliche Sicherheit einer angesehenen städtischen Institution.
Bevölkerungsentwicklung in Mutschelbach


